Vor einigen Tagen hat der Papi mit mir eine uns sehr bewegende TV-Sendung gesehen. Beim Zappen sind wir nämlich glücklicherweise bei Markus Lanz hängen geblieben. Und dort war ein siebenjähriger Junge zu Gast, der auf Anhieb und auf wundersame Weise unser beider Herzen tief berührt hat. Glücklich derjenige, der wie wir dieses Gespräch bereits gesehen hat (für die anderen gibt es die ZDF-Mediathek). Denn so viele Probleme von Euch Menschen und von uns Bären werden plötzlich ganz klein, wenn man sich das Schicksal dieses fröhlichen Menschenjungen zu Gemüte geführt hat.
Vielleicht denkt Ihr jetzt, Euer Bryan hätte sie nicht mehr alle. Aber ich habe sie noch, liebe Freunde, versprochen. Der kleine Theo dagegen hat sie nicht alle, denn ihm fehlen – seine beiden Beine. Wie man trotzdem mit starken Armen sein Leben meistern kann, das hat der Theo uns in jener Nacht vor dem Bildschirm so eindrucksvoll gezeigt, dass ich immer noch ganz hin und weg bin.
Der Theo war mit seinen Eltern Sabine und Axel Garthe im Studio. Kleine Einspielfilme zeigten Szenen aus dem Alltag des Jungen. Theo ist mit einem seltenen Gendefekt auf die Welt gekommen, den Ihr Menschen nach den altgriechischen Benennungen für Robbe und Glied Phokomelie nennt. Diese „Robben-Gliedrigkeit“ bezeichnet zwei Arten einer Fehlbildung der Gliedmaßen: Im einen Fall setzen wegen des Fehlens der langen Röhrenknochen die Hände direkt an den Schultern und die Füße direkt an der Hüfte an, was angeblich den Flossen von Robben ähnelt (ob ich mir eine Robbe auch mal genauer anschauen sollte? – egal, der Papi meint nur, dass ich hier „Contergan“ schreiben soll, dann wüsstet Ihr sofort Bescheid). Im anderen Fall fehlen die Extremitäten – also entweder Arme und Hände oder/und Beine und Füße – nahezu ganz beziehungsweise vollständig. Alle Formen der Phokomelien werden nach Eurem derzeitigen Wissensstand „vererbt oder durch äußere Einflüsse hervorgerufen“ (wikipedia.de), etwa als Nebenwirkung von Medikamenten und Hormonpräparaten. Natürlich kann heute im Rahmen der vorgeburtlichen Diagnostik per Feinultraschall-Untersuchung eine Phokomelie erkannt werden. Meistens passiert dann – soll ich das wirklich auch natürlich nennen? – im Menschenreich etwas angeblich ganz Normales ...
Doch gottlob nicht bei Theo: Seine Mutter erfuhr im vierten Schwangerschaftsmonat bei einer Routineuntersuchung vom Gendefekt ihres ungeborenen Kindes. Versetzt Euch nur mal in ihre damalige Lage: die nach langem Schweigen herumdrucksende Ärztin („Ich sehe da keine Beine ...“), weitere Untersuchungen, das schockierende Ergebnis. Aber im Fall der Familie Garthe wichen der große Schrecken und die Verunsicherung bald einer Gewissheit: Es kommt nicht so sehr darauf an, dass ein Kind hundertprozentig gesund auf die Welt kommt, sondern darauf, dass es ein glückliches Kind ist – also von wegen Hauptsache gesund: Hauptsache glücklich! Auch alle Bärenkinder würden ihr hier freudig zustimmen! Theos nach eigener Aussage positiv eingestellte Eltern (Vater Axel: „Er hat glückliche Eltern, die lange auf ihn gewartet haben“) konnten erleben, dass „sich Traurigkeit in Freude verwandeln kann“.