Früher war das mit Papis Vorliebe für Räucherstäbchen eher schwierig. Da habe ich mich manches Mal wie im Räucherabteil oder wie in einer Räucherkammer gefühlt. Wenn dann der Rauchmelder ansprang, die Feuerwehr vor der Tür stand oder gar Sanitäter ein paar bewusstlose Teddybären aus der Wohnung bergen mussten … nein, so schlimm war’s nun auch wieder nicht. Trotzdem bin ich sehr froh, dass der Papi seit einiger Zeit die für mich genau richtigen Räucherstäbchen gefunden hat.
Wenn er nun zu einem Räucherstäbchen greift, dann weiß ich mit meinem feinen Näschen meistens sofort, um welche wohlriechenden Substanzen es sich handelt. Meine eigenen Lieblingsdüfte sind Sandel-Zimt, Neel Kantha und Kailash, dazu gleich mehr. Doch beim Thema Räucherstäbchen stehen für mich drei Aspekte im Vordergrund. Und auf keinen Fall will ich, dass Ihr mir etwas hustet!
Erstens: Räucherrituale zu medizinischen, religiösen, magischen oder erotischen Zwecken gab es seit uralten Zeiten und in fast allen menschlichen Kulturen. Offensichtlich hattet Ihr Menschen schnell erkannt, dass die unterschiedlichen Gerüche der verbrannten Materialien unterschiedliche Stimmungen erzeugen konnten. Als zudem die Heilwirkungen der Pflanzen und Bäume in Euer Bewusstsein rückten, wurde das Räuchern als Heilmittel gegen Krankheiten und böse Geister eingesetzt. Den Pharaonen wurde Räucherwerk in ihre Gräber mitgegeben. Und schon die Heiligen Drei Könige schenkten dem Jesuskind zur Geburt Weihrauch und Myrrhe als kostbare Räuchersubstanzen. Aus keltischer Zeit stammt der Brauch, zur Wintersonnenwende gegen böse Geister anzuräuchern. Noch vor etwa 200 Jahren wurden in der Vorweihnachtszeit in Fachwerkhäusern die Küchen und Stuben ausgeräuchert, um Insekten aus dem Gebälk zu vertreiben. Schließlich ist Räuchern mit erzgebirgischen Räucherkerzen und Räuchermännchen seit etwa 1830 Ausdruck bürgerlicher Gemütlichkeit. Auch heute noch wird in vielen Teilen der Welt zeremoniell geräuchert. So gibt es Räucherrituale bei Bestattungen, Hochzeiten, Geburten, zur Reinigung und zur Ehrerbietung vor Göttern. Bei uns zu Hause wird meist ein neuer Teddybär so begrüßt …